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Hintergrundinformationen


Wo arbeiten Kinder?

Das Hauptarbeitsfeld von Kinderarbeit ist nach wie vor die Landwirtschaft (70%). Da die Felder in der Regel abgelegen sind und die Kinder so kaum Kontakt zur Außenwelt haben, kommt es oft vor, dass die Kinderarbeiter wirtschaftlich ausgebeutet werden. Sie müssen dann stundenlang unbezahlt arbeiten, werden oft nicht ausreichend mit Lebensmitteln versorgt und ggf. mit Gewalt eingeschüchtert, um sie an einer Flucht zu hindern. Des Weiteren sind sie Giften (z.B. Pflanzenschutzmitteln) ausgesetzt und hantieren bei der oft körperlich schweren Arbeit mit gefährlichen Werkzeugen.

Die anderen Wirtschaftszweige, in denen Kinder arbeiten, umfassen Fischerei, verarbeitendes Gewerbe, Tourismus, Haushalt, Baugewerbe, Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden sowie informelle Wirtschaft.


Warum arbeiten Kinder?

Die Länder, in denen Kinderarbeit zu einem hohen Prozentsatz vorkommt, sind meistens Schwellen- und Entwicklungsländer. In diesen Ländern lebt ein Großteil der Bevölkerung in Armut, weshalb viele Familien um ihr Überleben kämpfen müssen. Den Kindern bleibt aufgrund der Armut ihrer Eltern keine Wahl, als zu arbeiten, um das Überleben ihrer Familie zu sichern. Wenn man also nach den Ursachen für Kinderarbeit sucht muss man in erster Linie nach den Ursachen für Armut suchen.


Massenarmut

Arbeitslosigkeit ist eine der Hauptursachen für Armut, da es in vielen Ländern kein System gibt, das Arbeitslose unterstützt und die Menschen nicht selten in Hungersnot geraten, der sie nur durch das Mitarbeiten der Kinder entkommen können.
Oft wird die Notsituation der Familien ausgenutzt und Kinder werden bevorzugt eingestellt, denn sie sind billig, können sich schlecht widersetzen und organisieren sich nicht in Gewerkschaften.

Armut in den Familien entsteht außerdem durch die viel zu niedrigen Lohnniveaus der Eltern. Auch wenn der Lohn, den die Kinder zusätzlich nach Hause bringen, sehr gering ist, so ist er für das Überleben der Familie unentbehrlich.

Ein anderer Faktor, der zur großen Armut führt, ist die hohe Verschuldung der Länder. Die Preise der Waren, die diese Länder anbieten, sollen konkurrenzfähig bzw. konkurrenzlos billig auf dem internationalen Markt bleiben, damit das Land durch den Gewinn Schulden abbauen kann.
Daher schauen viele Regierungen weg, wenn es darum geht, effektive Lösungswege gegen Kinderarbeit zu finden, denn die Kinder tragen als billige Arbeitskräfte zu niedrigen Warenpreisen bei.

Außerdem sorgen die Regierungen nicht für frei zugängliche Bildung, sodass Bildung zum Privileg zahlungsfähiger Bürger wird und Mittellose kaum Chancen auf eine Ausbildung haben.


Weitere Ursachen

Abgesehen von Armut ist ein weiterer Grund dafür, dass Kinder arbeiten müssen, die Tatsache, dass die Eltern selbst schon als Kinder gearbeitet haben und es daher für selbstverständlich halten, dass Kinder arbeiten gehen. Sie haben dadurch schon sehr früh lernen müssen Verantwortung zu übernehmen und wollen ihren Kindern ebenfalls möglichst früh beibringen, auf eigenen Beinen zu stehen. Wenn Eltern ihre Kinder also aus diesen Gründen arbeiten schicken, bedeutet das keineswegs, dass die Eltern schlechte Eltern sind oder ihren Kindern gar schaden möchten.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Menschen in den betroffenen Ländern auf eine (wenn auch schlecht) bezahlte Arbeit angewiesen sind, um zu überleben, da es keinerlei Unterstützung von Seiten des Staates gibt.


Was macht Arbeit aus Kindern?

Wenn wir erörtern wollen, weshalb es notwendig ist Kinderarbeit auf lange Sicht abzubauen, müssen wir die Auswirkungen der Kinderarbeit auf die Kinder betrachten.


Physische Auswirkungen

Unter den physischen Auswirkungen der Kinderarbeit gibt es eine große Palette an möglichen körperlichen Schäden. An dieser Stelle seien nur einige Beispiele aufgeführt:
Das Schleppen von schweren Lasten kann bei den Kindern langfristige Rückenschäden und Wachstumsschäden verursachen. Durch den Umgang mit giftigen Chemikalien kommt es oft zu Hautirritationen oder sogar zu Verätzungen. Durch die Arbeit mit gefährlichen Werkzeugen verlieren die Kinder oft Extremitäten.


Psychische Auswirkungen

Die psychischen Auswirkungen sind schwieriger zu beobachten. Was wir aber festhalten können ist, dass Kinderarbeit die Entwicklung beeinflusst. Während Kinder, die nicht arbeiten müssen, zur Schule gehen und sich bilden können, bleibt Kinderarbeitern dieses Recht meist verwehrt. Ohne Bildung können die Kinder aber nie eine Ausbildung für höher qualifiziertere Tätigkeiten absolvieren. Deshalb bleiben Erwachsene, die als Kinder gearbeitet haben, im Niedrig(st)lohnsektor gefangen. Es ergibt sich dadurch ein Teufelskreis, denn offensichtlich führt Armut zu Kinderarbeit, sodass die Familien über mehrere Generationen arm bleiben und die Kinder fortwährend arbeiten müssen.


Selbstbestimmung und Kinderarbeit?

Es muss bei allen deutlich negativen Aspekten der Kinderarbeit berücksichtigt werden, dass es viele Kinder gibt, die freiwillig arbeiten gehen und nicht Opfer von Ausbeutung sind. An diesem Punkt setzt unsere Differenzierung von „Kinderarbeit“ und "wirtschaftlicher Ausbeutung" an (siehe Definition von: Wirtschaftliche Ausbeutung von Kindern). Solche Kinder erkennen die Not der Familie und übernehmen aktiv Verantwortung, indem sie zu der Verbesserung der familiären Situation beitragen. Durch ihre Arbeit können sich Kinder z.B. auch selbst den Schulbesuch finanzieren, für den die Eltern nicht genug Geld aufbringen können.
In solchen Fällen kann Kinderarbeit sogar dazu beitragen, aus dem oben genannten Teufelskreis auszubrechen. Durch dieses Stück Selbstständigkeit, das die Kinder durch Arbeit erlangen, kann auch ihre Selbstwertschätzung steigen.

Wenn man Kinderarbeiter fragt, wonach sie ihre Arbeit beurteilen, dann ist das wichtigste Kriterium die Freiwilligkeit. Solange Kinder der Arbeit freiwillig nachgehen, wird sie nicht als 'schlecht' bzw. ausbeuterisch bezeichnet. Darüber hinaus ist den Kindern wichtig, so arbeiten zu können, wie sie es möchten und dass sie für die gleiche Arbeit den gleichen Lohn wie Erwachsene erhalten.
Außerdem fordern sie rechtlichen Arbeitsschutz und Interessenvertretung ein. So gibt es z.B in Lateinamerika Gewerkschaften arbeitender Kinder.
Nach dem Soziologen Prof. Dr. Manfred Liebel muss besonders Aufmerksamkeit darauf gelegt werden, "wie weitgehend die Kinder der Macht oder gar Willkür anderer Personen unterworfen ist,
d.h. wie weitgehend ihr Handlungsspielraum eingeschränkt ist."

Es ist insgesamt also wichtig anzuerkennen, dass viele Kinderarbeiter keine passiven Objekte sind,
die keinen Einfluss auf ihre Situation haben, sondern als Subjekte agieren, die aktiv versuchen ihre Lebensumstände zu meistern und zu verbessern.