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Kampagne "Offenes Ohr"


Osnabrück, den 1. Juli 2013

Mit der Aufdeckung der umfangreichen Missbrauchsfälle in katholischen Kirchen und anderen Institutionen ist das Thema sexueller Missbrauch von Kindern wieder in den Fokus unserer Gesellschaft gerückt. Dabei ist deutlich geworden, dass viele Betroffene bis ins hohe Erwachsenenalter hinein über das Verbrechen schweigen, das ihnen widerfahren ist. Dies ist vor allem auch bei Missbrauchsfällen innerhalb der Familie der Fall. Internationale Studien zeigen, dass mehr als die Hälfte aller Betroffenen sich in ihrer Kindheit und Jugend niemandem anvertrauen und so die dringend benötigte Hilfe und Unterstützung nicht bekommen.

An diesem Punkt setzen wir nun an: Am 14. Juni 2013 starteten wir die Kampagne "Offenes Ohr" und haben damit den ersten Grundstein für die Entwicklung eines neuen Präventionsprogramms gelegt, das gezielt Kinder und Jugendliche erreichen will, die sexuell missbraucht wurden/ werden und noch schweigen.

Innerhalb von nur zwei Wochen haben wir über 250 ausgefüllte Fragebögen von Betroffenen erhalten, die uns wertvolle Einblicke in ihre Gefühls- und Gedankenwelt gewährt haben und uns dabei helfen zu verstehen, aus welchen Gründen Betroffene schweigen und welche Faktoren wichtig sind, damit sich Betroffene jemandem anvertrauen.

Dank dieser großartigen Unterstützung können wir nun früher als geplant in die nächste Entwicklungsphase des Präventionsprogramms übergehen. Dafür einen herzlichen Dank an alle Teilnehmer und Unterstützer!

Die (Online-) Umfrage ist in der Form, wie sie gestartet ist, somit ab heute, dem 1. Juli 2013, abgeschlossen! Wir haben nun genügend Fragebögen erhalten, um mit der Auswertung beginnen zu können.
Parallel dazu unterstützen wir eine wissenschaftliche Studie zum gleichen Thema unter Leitung unseres Vorsitzenden Thien An Tran (siehe unten).


Wissenschaftliche Studie für 18- bis 25-Jährige

Für die wissenschaftliche Fundierung des neuen Präventionsprogramms führt unser Vorsitzender
Thien An Tran parallel zu der Kampagne "Offenes Ohr" eine wissenschaftliche Studie zum gleichen Thema im Rahmen seiner Diplomarbeit an der Universität Osnabrück durch. Aus methodischen Gründen können hier nur 18- bis 25-jährige Betroffene teilnehmen.

Die nachfolgenden Informationen richten sich direkt an interessierte Betroffene:

Mit der Studie soll untersucht werden, was die zentralen Gründe dafür sind, dass sich Betroffene dazu entscheiden über den sexuellen Missbrauch zu schweigen. 
Wie bei der Kampagne "Offenes Ohr" sollen die aus dieser wissenschaftlichen Studie gewonnenen Erkenntnisse dazu genutzt werden, um ein neues Präventionsprogramm zu entwickeln, das sexuell missbrauchte Kinder und Jugendliche, die noch schweigen, frühzeitig erreichen kann.

Mit Ihrer Teilnahme an der Studie können Sie damit einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, dass das neue Präventionsprogramm auch auf wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen aufbauen kann.

Die Studie wird eine (Online-) Fragebogen-Studie sein. Sie werden gebeten verschiedene Aussagen dahingehend zu beurteilen, inwieweit diese zustimmen oder nicht (z.B. "Ich habe Angst, dass mir niemand glauben wird"). Die Aussagen beziehen sich dabei auf die möglichen Gründe, weswegen Betroffene schweigen (z.B. bestimmte Ängste, Scham-Gefühle sowie bestimmte Überzeugungen). 
Des Weiteren wird davon ausgegangen, dass die Gründe, die Betroffene zum Schweigen bringen, auch psychisch und körperlich belastend für die Betroffenen sind. Deswegen werden Sie auch kurz zu Ihrem psychischen und körperlichen Wohlbefinden befragt. 

Wie in der Kampagne "Offenes Ohr" wird auch in dieser Studie bewusst darauf verzichtet, Sie um nähere Angaben zum Missbrauchsgeschehen selbst zu bitten, um Sie nicht unnötig zu belasten.  

Natürlich ist die Teilnahme absolut freiwillig und Sie können jederzeit und ohne Angabe von Gründen die Teilnahme an der Studie beenden, ohne dass Ihnen daraus Nachteile entstehen. Die Befragung erfolgt entweder vollständig anonym oder in "pseudonymisierter" Form. Letzterer Fall bedeutet, dass Ihre Personendaten getrennt erhoben (z.B. zur späteren Mitteilung der Ergebnisse) und mit einer Codier-Nummer für die Datenanalyse versehen werden. Ihre Ergebnisse tauchen im Datensatz dann nicht mehr unter ihrem Namen "Max Mustermann" auf, sondern unter einer individuellen Codier-Nummer (z.B. "PL1588"). Es ist somit in beiden Fällen nicht möglich, aus den Daten der Studie auf Ihre Person zurückzuschließen. 

Die Studie befindet sich derzeit noch in der Vorbereitung und einige Details müssen noch mit der Universität Osnabrück abgestimmt werden. Plangemäß soll die Studie dann im August 2013 starten.

Bei Interesse melden Sie sich bitte bei Thien An Tran unter:
asa-studie[at]make-a-change.de

Sie werden dann in eine Interessenten-Liste aufgenommen und erhalten nochmal ausführliche Informationen rund um die Studie, wenn alle Details feststehen und
die Studie startklar ist.
Danach können Sie sich endgültig entscheiden, ob Sie an der Studie teilnehmen möchten oder nicht.

Bei Nachfragen steht Ihnen Thien An Tran gerne zur Verfügung.


Rückblick: Die Kampagne "Offenes Ohr"

Mit der Kampagne möchten wir mithilfe von Betroffenen herausfinden, aus welchen Gründen sich Betroffene dazu entscheiden, über den sexuellen Missbrauch zu schweigen oder sich stattdessen jemandem anzuvertrauen.

Mit diesen Erkenntnissen können wir dann ein effektives Präventionsprogramm entwickeln, das betroffene Kinder und Jugendliche frühzeitig erreichen kann. Das ist nur dann erfolgsversprechend, wenn wir verstehen lernen, in welchem emotionalen Dilemma sich Betroffene befinden. Wir möchten ihre Ängste, Befürchtungen und Wünsche verstehen und ernst nehmen und bei der Entwicklung des neuen Präventionsprogramms entsprechend berücksichtigen. Dafür haben wir diese Kampagne ins Leben gerufen.

Alle Betroffenen, die vor ihrem 18. Lebensjahr sexuellen Missbrauch erfahren haben, konnten an der Kampagne teilnehmen. Diese konnten über verschiedene Wege mit uns in Kontakt treten:
a) Über eine anonyme (Online-) Fragebogen-Befragung, b) schriftlicher Austausch per E-Mail oder
c) über ein persönliches Gespräch.


Erste Ergebnisse

- Insgesamt 252 ausgefüllte Fragebögen und 5 Kontaktaufnahmen per E-Mail.
- Jüngste Teilnehmerin: 12 Jahre alt.
- Ältester Teilnehmer: 64 Jahre alt.
- Viele haben sich erst nach 10, 20, 30 Jahren jemandem anvertraut.
- 25 Betroffene haben sich im Rahmen dieser Kampagne erstmals überhaupt jemandem anvertraut.
- Die Meisten nutzten auch die Möglichkeit am Ende des Fragebogens uns noch alles mitzuteilen, was ihnen sonst noch wichtig ist, u.a. positive Rückmeldung, Wunsch nach mehr Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit und Verbesserung der psychologischen Hilfe, Forderung von Verlängerung der Verjährungsfristen etc.
- Einige Betroffene haben auch weitergehende, z.T. offene (im Sinne von nicht-anonyme) Unterstützung angeboten.


Weiterhin ein "offenes Ohr" für Betroffene

Im Rahmen dieser Kampagne erreichten uns viele offene und emotionale Erfahrungsberichte bis hin zu berührenden Gedichten aus schweren Zeiten. Wir möchten uns daher nochmal zutiefst bei allen Teilnehmern für das uns entgegengebrachte Vertrauen bedanken!


Ansprech- und Gesprächspartner

Alle eintreffenden Nachrichten werden von unserem Vorsitzenden Thien An Tran entgegengenommen und persönlich beantwortet.

Wir wissen wie schwierig es für Betroffene ist, sich jemandem anzuvertrauen. Deshalb stellt sich unser Vorsitzender nachfolgend kurz vor, damit Sie einen ersten Eindruck davon gewinnen, wer Ihr potentieller Gesprächspartner ist.


Thien An Tran
Studium der Psychologie (Diplom) an der Universität Osnabrück
Geb. am 13.11.1987, wohnhaft in Osnabrück

Gründer und Vorsitzender von Make A Change e.V.
Seit 2009 Themenreferent für sexueller Missbrauch von Kindern,
Leiter des KSB-Programms

Seit 2012 pädagogischer Mitarbeiter an einer Grundschule bei VPAK e.V.

2010: Auslandspraktikum in Monterrey, Mexiko

2008, 2010, 2011: Hilfswissenschaftler an der Universität Osnabrück im Fachbereich "Differentielle Psychologie und Persönlichkeitsforschung"

Begeisterter Schachspieler, Musiker, Hobby-Fotograf
Bruder von drei Geschwistern

Liebe Betroffene, lieber Betroffener,

sexueller Missbrauch von Kindern ist ein Verbrechen gegen die Unschuld des Kindes, das oftmals tiefe Narben in den jungen Seelen hinterlässt. Doch solange betroffene Kinder und Jugendliche über das ihnen widerfahrene Unrecht schweigen, sind uns als Kinderschutzorganisation die Hände gebunden und wir können den betroffenen Kindern und Jugendlichen die so dringend benötigte Hilfe und Unterstützung nicht geben, wie wir es gerne täten.

Mit Ihrer Hilfe können wir verstehen lernen, welche Ängste, Befürchtungen und Wünsche die Betroffenen daran hindern, sich Hilfe zu holen. Wir sind hier, um Ihnen zuzuhören und von Ihnen zu lernen.

Ich danke Ihnen für Ihren Mut und für Ihr Vertrauen.

Beste Grüße,
Thien An Tran