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Vortrag in Hannover

Hannover – Im Rahmen der Aktionen zum diesjährigen Red Hand Day gegen den Einsatz von Kindersoldaten hielt Thien An Tran, Vorsitzender von Make A Change, am 08.02.2012 in einer pädagogischen Fachschule einen Vortrag zum Thema: „Ehemalige Kindersoldaten als Flüchtlinge in Deutschland – Was die Kinder- und Jugendhilfe tun kann“.

Im Anschluss des Vortrages erstellten die Schüler gemeinsam ein kunstvolles Plakat mit 32 roten Händen für die Aktion „Rote-Hände-Marathon 2012“.

In Deutschland leben derzeit ungefähr 3.000 bis 5.000 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge.
Unter diesen Kindern befinden sich schätzungsweise auch drei bis vier Prozent ehemalige Kindersoldaten, d.h. ca. 100 - 200 Mädchen und Jungen, die eine lange und gefährliche Reise auf sich genommen haben, um ihrem furchtbaren Schicksal als Kindersoldaten zu entkommen, und schließlich als Flüchtlinge in Deutschland gelandet sind.

Wie die Situation dieser Kindersoldaten in Deutschland aussieht, zeigt folgendes Zitat eines ehemaligen Kindersoldaten aus dem Sudan ganz deutlich:

Der Anfang und vor allem die Verfahren, um einen Aufenthaltsstatus hier in Deutschland zu bekommen, waren pure seelische Tortur. Eine neue Heimat, in der ich die Sprache überhaupt nicht sprechen konnte. In der schlimmsten Zeit haben mich meine verlorene Kindheit, meine ungewisse Zukunft und vor allem der Bearbeitungsstress meines Asylantrags in eine tiefe Trauer versetzt.

– Peter, D. (22)
(Zito, 2009: „Zwischen Hoffnung und Angst“)

Die deutsche Praxis im Umgang mit ehemaligen Kindersoldaten als Flüchtlinge in Deutschland wird seit Jahren von Kinderhilfsorganisationen und 2008 auch offiziell von den Vereinten Nationen scharf kritisiert.
Wir appellieren daher an die Bundeskanzlerin Angela Merkel, sich verstärkt für eine Verbesserung der Situationen von ehemaligen Kindersoldaten in Deutschland einzusetzen. Diese Kinder haben furchtbare Dinge erlebt und brauchen nun Schutz und ein neues Zuhause. Daher lauten unsere Forderungen:

1) Ehemalige Kindersoldaten, die als Flüchtlinge nach Deutschland kommen, brauchen an erster Stelle Schutz und eine kindgerechte, auf ihren Hintergrund als Kindersoldaten abgestimmte Unterstützung!
- Angemessenes Clearingverfahren flächendeckend einführen.
- Unterbringung im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfe.
- Psychologische Betreuung bereitstellen.

2) Verbesserung der Asyl- und Aufenthaltsrechtlichen Situation.
Das Kindeswohl muss an erster Stelle der Betrachtung stehen!

- Kinder dürfen nicht schon ab 16 Jahren wie Erwachsene behandelt werden!
- Asylverfahren müssen kindgerechter gestalten werden!
- Die Vergangenheit als Kindersoldat muss als Fluchtgrund anerkannt werden!
- Schutz vor Abschiebung, Abschiebe- und Untersuchungshaft!

3) Hilfe zur sozialen Wiedereingliederung und Integration.
- Besuch von Deutschkursen ermöglichen.
- Zugang zur Schule ermöglichen.
- Chance auf Ausbildung ermöglichen.

Für nähere Auskünfte und bei Fragen zum Vortrag steht Ihnen Thien An Tran gerne zur Verfügung: t.tran[at]make-a-change.de.