Make A Change Logo
Was wir zur Prävention tun können

Was können wir gegen sexuellen Missbrauch von Kindern tun? Eine Frage, die in Anbetracht der Komplexität des Problems absolut gerechtfertigt ist. Wir werden hier ausschließlich auf Präventionsprogramme eingehen, d.h. auf Maßnahmen, die auf die Vorbeugung von sexuellem Missbrauch abzielen.
Es gibt verschiedene Strategien, um sexuellen Missbrauch von Kindern vorzubeugen:

a)   Opferorientierte Präventionsprogramme,
b)   täterorientierte Präventionsprogramme,
c)   Elternarbeit,
d)   Öffentlichkeitsarbeit.



Opferorientierte Präventionsprogramme

Die an potentielle Opfer gerichteten Maßnahmen zielen häufig darauf ab, die allgemeine soziale Kompetenz der Kinder zu stärken, damit sie gefährliche Situationen erkennen und sich selbst aus der kritischen Situation befreien können. Bestandteile eines solchen Präventionsansatzes sind beispielsweise (Lohaus & Trautner, 2005):

-   Dem Kind sein Bestimmungsrecht über den eigenen Körper vermitteln,
-   dem Kind lehren, sexuelle Berührungen als solche zu erkennen,
-   dem Kind vermitteln, nicht jede Art von Geheimnissen für sich behalten zu müssen,
-   dem Kind das Recht vermitteln, Nein-sagen zu dürfen,
-   dem Kind Unterstützungsmöglichkeiten bei Not aufzeigen.

Andere opferorientierte Präventionsprogramme schließen das Thema „Sexualität“ explizit mit ein und vermitteln u.a. welche Handlungen als sexueller Missbrauch anzusehen sind und geben Informationen über potentielle Täter. Diese Strategie lässt sich wohl am sinnvollsten über die Einbettung in die Sexualerziehung realisieren (Lohaus & Trautner, 2005).

Eine sinnvolle Präventionsstrategie könnte die Kombination aus einer frühzeitigen Stärkung der sozialen Kompetenz des Kindes mit späteren, abstrakteren Maßnahmen im Rahmen der Sexualerziehung sein (Lohaus & Trautner, 2005).


Täterorientierte Präventionsprogramme

Diese Maßnahmen können sich an verschiedene Aspekte orientieren:

a)   Langfristige Vorbeugung durch angemessene Sexualerziehung,
b)   Beratungsangebote für potentielle Täter,
c)   Arbeit mit Opfern sexuellen Missbrauchs.


Zum Punkt a) nennen Lohaus und Trautner (2005) zwei wichtige Aspekte, die mit der Maßnahme erreicht werden sollen:

Das Kind soll eine positive Einstellung zum eigenen Körper und zur Sexualität aufbauen. Studien zeigen, dass Täter, die Kinder sexuell missbrauchen, häufig in einer sexualfeindlichen Umgebung aufgewachsen sind (nach Lohaus & Trautner, 2005).

Die Sexualerziehung sollte in einen sozialen Kontext eingebettet sein, in dem über die rein biologische Aufklärung hinaus auch Themen wie Kontaktaufnahme und ihre Grenzen, Partnerschaft oder Kommunikation über Sexualität behandelt werden.


Punkt b) ist für viele auf den ersten Blick wahrscheinlich eine befremdliche Vorstellung. Hier werden zwei Gruppen potentieller Täter angesprochen: Zum einen sind es Männer und Frauen, die den deutlichen Impuls bei sich verspüren, Kinder sexuell zu missbrauchen, zum anderen sind es Täter,
bei denen die potentielle Gefahr einer Wiederholungstat besteht.

Gleichzeitig plädieren wir dafür, Beratungsangebote auch gezielt für die Menschen bereit zu stellen, die zwar den Impuls zum sexuellen Übergriff auf ein Kind verspüren, die Tat jedoch (noch) nicht in Realität umgesetzt haben. Wir sollten die Offenlegung durch diese Person daher begrüßen und dies als Chance ansehen, einen Menschen davor zu schützen, zu einem Täter zu werden.

Präventionsprogramme, die mit potentiellen Tätern arbeiten, zielen darauf ab, im Rahmen der Therapie Verhaltensalternativen aufzuzeigen, wie etwa mit den (sexuellen) Impulsen, den Aggressionen und/oder Ängsten umgegangen werden kann, ohne diese in Form von sexuellem Missbrauch auszuleben.


Bei Punkt c) richten wir uns an Männer und Frauen, die in ihrer Kindheit selbst Opfer sexuellen Missbrauchs wurden (siehe Zahlen und Fakten zum sexuellen Missbrauch: 30% unter den Tätern). Gleichzeitig geben die restlichen 70% der Opfer sexuellen Missbrauchs jedoch Hoffnung, die trotz ihrer eigenen Traumata nicht zu Tätern werden. Unter anderem sind folgende wichtige Schutzfaktoren zu nennen (nach Lohaus & Trautner, 2005):

-   Die ehemaligen Opfer sind sich über ihre eigenen traumatischen Erfahrungen bewusst und haben
    die Entscheidung gefällt, gerade deswegen die eigenen und andere Kinder vor solchen Erfahrungen
    zu schützen,
-   sie haben trotz ihrer traumatischen Erfahrungen soziale Kompetenzen erlernen können,
-   sie haben ihre Traumata im Rahmen von Psychotherapien erfolgreich aufgearbeitet,
-   sie leben in einer stabilen Partnerschaft.

Verschiedene Studien haben gezeigt, dass Täterbefragungen zudem wertvolle Informationen über Motive und Vorgehensweisen der Täter liefern, die dann wiederum für täterorientierte Präventionsprogramme genutzt werden können. Solche Präventionsmaßnahmen bieten also große Chancen, um rechtzeitig Hilfe zu leisten, und zum einen die Kinder, zum anderen potentielle Täter vor sich selbst zu schützen.


Elternarbeit

Das Einbeziehen der Eltern in die Präventionsprogramme kann aus verschiedenen Gründen entscheidend zum Erfolg der Maßnahmen beitragen: So ist die Unterstützung der Programme durch die Eltern gerade bei Präventionsmaßnahmen, die sich an potentielle Opfer richten, unerlässlich, da nur so gewährleistet werden kann, dass die Eltern den Kindern beispielsweise keine gegenteiligen Anweisungen zu Hause geben und so die Präventionsmaßnahmen wirkungslos machen.
Außerdem dürfte eine nachhaltigere Programmwirkung erreicht werden, wenn die Eltern von den Maßnahmen überzeugt sind und diese auch in ihrer eigenen Erziehung zu Hause entsprechend umsetzen (vgl. Lohaus & Trautner, 2005).
Des Weiteren kann Elternarbeit auch sinnvoll sein, um den Eltern die nötigen Kompetenzen zu vermitteln, die sie die Anzeichen von sexuellem Missbrauch frühestmöglich erkennen lassen (Lohaus & Trautner, 2005).


Öffentlichkeitsarbeit

Und schließlich leistet die Öffentlichkeitsarbeit einen entscheidenden Beitrag zur Prävention von sexuellem Missbrauch von Kindern. Die Informationen auf dieser Website dienen diesem Zweck und sollen nicht nur die allgemeine Aufmerksamkeit auf dieses immer noch stark vernachlässigte Thema lenken, sondern vor allem auch dazu beitragen, dass ein realistisches Bild über sexuellen Missbrauch von Kindern entsteht. Denn eine gut informierte Gesellschaft ist aus verschiedenen Gründen von unschätzbarem Wert: Je stärker sich die Öffentlichkeit bewusst mit dem Problem auseinandersetzt und aufmerksam bleibt, desto größer sind auch die gesellschaftlichen Hürden, die ein potentieller Täter überwinden muss, um seine Tat in Realität umzusetzen. Des Weiteren hoffen wir mit unserer Arbeit zu einer stärkeren Aufdeckung von bereits geschehenen Fällen von sexuellem Missbrauch beizutragen.

Und nicht zuletzt wollen wir allen betroffen Kindern und Jugendlichen mit aller Deutlichkeit signalisieren, dass wir uns um ihre Probleme kümmern und dass wir Ihnen mit Hilfsangeboten zur Seite stehen.