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Zahlen und Fakten

Bei dem Versuch, Zahlen zum sexuellen Missbrauchs von Kindern zu erfassen, stoßen wir auf verschiedene Probleme, die beachtet werden müssen:

Bei allen Zahlenangaben muss mit einer hohen Dunkelziffer gerechnet werden.

Da es keine standardisierten Erhebungsverfahren gibt, kommen verschiedene Studien immer wieder zu unterschiedlichen Beurteilungen der Häufigkeit sexuellen Missbrauchs von Kindern.


Häufigkeit sexuellen Missbrauchs von Kindern

Inzwischen liegen für Deutschland eine Reihe sozialwissenschaftlicher Studien vor, die Prävalenzraten für weibliche Opfer zwischen 6% und 25%, für männliche Opfer zwischen 2% und 8% gefunden haben (Engfer, 2005).

Der Deutsche Kinderschutzbund (DKSB) stellt jährlich die Daten zur Gewalt gegen Kinder aus der PKS zusammen. Demnach sind der Polizei im Jahre 2009 11.319 Fälle sexuellen Missbrauchs von Kindern (strafbar gemäß §§ 176, 176a, 176b StGB) bekannt geworden (Deutscher Kinderschutzbund, 2010). Darin sind jedoch 9.277 andere Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung von Kindern und Jugendlichen noch nicht enthalten, die gemäß §§ 174, 180, 182, 184b, 184c StGB strafbar sind (siehe Rechtslage in Deutschland).
Daten zu den Opfern

Im Jahre 2009 wurden in Deutschland 14.038 Kinder und 1.048 Jugendliche Opfer sexuellen Missbrauchs (Deutscher Kinderschutzbund, 2010). Kinder der Altersgruppe von 6 bis unter 14 Jahren sind besonders gefährdet; sie machen alleine schon 82% aller Opfer aus.
Von den 14.038 Opfern sexuellen Missbrauchs von Kindern sind insgesamt 24% Jungen und 76% Mädchen. (vgl. Bundeskriminalamt, 2010).
Verschiedene Studien weisen jedoch immer wieder darauf hin, dass Jungen als Opfer sexuellen Missbrauchs immer noch unterrepräsentiert sind und die Zahl unaufgedeckter Fälle hier wahrscheinlich deutlich höher sein dürfte als die der tatsächlich bekannt gewordenen Fälle (Holmes & Slap, 1998; Putnam, 2003). Gründe hierfür könnten geschlechtsspezifische Ängste und Schamgefühle sein.
Daten zu den Tätern

Insgesamt sind rund 69% der Tatverdächtigen wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen erwachsene Täter über 21 Jahren, mit einem Schwerpunkt bei Tätern ab 30 Jahren. Jugendliche Täter nehmen dennoch einen überproportional hohen Anteil ein (16%), wobei sich deren Straftaten bei genauerer Betrachtung von denen der Erwachsenen qualitativ unterscheiden. So werden beispielsweise 50% aller sexuellen Übergriffe mit Penetration auf Kinder unter 14 Jahren allein von Tätern der Altersgruppe von 30 bis unter 50 Jahren begangen, wohingegen kein sexueller Übergriff mit Penetration durch einen Jugendlichen erfolgt ist (14% wohl aber durch Heranwachsende von 18 bis unter 21 Jahren).

Bei der Geschlechterverteilung überwiegen die männlichen Täter deutlich mit 96% beim sexuellen Missbrauch von Kindern und 98% beim sexuellen Missbrauch von Jugendlichen.


Daten zur Täter-Opfer-Beziehung

In der breiten Bevölkerung wird „sexueller Missbrauch von Kindern“ oftmals direkt mit den inzestuösen Formen zwischen (Stief-)Vater und Tochter in Verbindung gebracht, sofern keine aktuellen Ereignisse das öffentliche Interesse auf das Thema lenkt.